Demografiestrategie - Lühmann: Arbeitswelt familienbewusst gestalten

Für eine familienbewusstere Gestaltung der Arbeitswelt hat sich die stellvertretende dbb Bundesvorsitzende Kirsten Lühmann ausgesprochen. „Wir müssen der Familie als kleinster und wichtigster Einheit des menschlichen Zusammenlebens mehr Zeit und Gestaltungsraum für Fürsorge und Verantwortung geben – auch und gerade in der Arbeitswelt“, forderte die dbb-Vize anlässlich der ersten Sitzung der Arbeitsgruppe „Familie als Gemeinschaft stärken“, die am 5. September 2012 von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder in Berlin eröffnet wurde und neben anderen Arbeitsgruppen die Demografiestrategie der Bundesregierung konkretisieren soll.

Dabei dürfe das Familienbewusstsein sich nicht auf Teilzeitmodelle und Elternzeitregelungen beschränken, sondern müsse ganzheitlich gedacht werden, so Lühmann: „Wer über Jahre nur eine befristete Anstellung erhält, wird weniger bereit sein, die Verantwortung für die Gründung einer Familie zu übernehmen. Gleiches gilt für Beschäftigte, die trotz Vollerwerbstätigkeit ihren Lebensunterhalt wegen zu geringem Lohn nicht bestreiten können. Bei den angedachten Maßnahmen darf auch die stetig wachsende Gruppe der Leiharbeiter nicht übersehen werden. Unterschiedliche Einsatzorte, unterschiedliche Arbeitsbedingungen nebst Arbeitszeiten und oftmals geringer Lohn stellen sich als Hemmschuh für eine erleichterte flexible Zeitgestaltung von Familien dar“, erläuterte die dbb-Vize.

Ebenfalls im Zusammenhang mit einer familienbewussteren Arbeitswelt sieht Kirsten Lühmann die Kinderbetreuung: „Eltern brauchen maßgeschneiderte, qualitativ hochwertige Kinderbetreuungsangebote, um ihren Job gut machen zu können. Die Bereitstellung dieser Betreuungsangebote muss für den Staat oberste Priorität haben.“ Gleichzeitig müsse darüber nachgedacht werden, „die finanziellen Belastungen der Kinderbetreuung für die Eltern, die ja arbeiten gehen sollen und – siehe demografischer Wandel – schlichtweg müssen, abzufedern“. So fordere der dbb seit langem die vollständige steuerliche Absetzbarkeit erwerbsbedingter Kinderbetreuungskosten.

„Zur Debatte könnten wir auch stellen, ob Eltern für die Betreuung überhaupt Gebühren zahlen sollen“, schlug Lühmann vor. „Durch den Verzicht auf die Gebühren könnte erreicht werden, dass mehr Eltern ihre Kinder in den Kindergarten geben. Dies würde einerseits zeitliche Entlastung für mehr Eltern bringen, andererseits könnte mehr Nachwuchs von frühkindlicher Bildung profitieren.“

Die Bundesregierung hatte am 25. April 2012 ihre Demografiestrategie verabschiedet. Zur Weiterentwicklung und Konkretisierung wurden neun Arbeitsgruppen unter der Gesamtfederführung des Bundesministeriums des Innern zu speziellen Fachfragen eingesetzt. Der dbb ist in vier Arbeitsgruppen vertreten.