dbb bundesfrauenvertretung warnt: Anhaltende Befristungsroutine im öffentlichen Dienst betrifft überwiegend Frauenberufe

„Es ist erschütternd, dass im öffentlichen Dienst vor allem in jenen Bereichen, in denen überwiegend Frauen tätig sind, anscheinend keine Hemmungen bestehen, überdurchschnittlich häufig befristet einzustellen. Das widerstrebt einer nachhaltigen Personalmittelplanung und behindert die Förderung der tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz“, sagte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 9. Juli 2013. Anlass zur Kritik lieferte ein Bericht des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zur Entwicklung von befristeter Beschäftigung in Deutschland. Danach wird vor allem im öffentlichen Dienst in den Bereichen „Erziehung und Unterricht“ und „Öffentliche Verwaltung“ sehr häufig befristet eingestellt. Die Befristungsanteile liegen hier bei 76 bzw. 60 Prozent. Der Frauenanteil in diesen Beschäftigungsfeldern beläuft sich auf deutlich über 50 Prozent.

Insbesondere die im IAB-Bericht dokumentierten niedrigen Übernahmequoten in Zuständigkeitsbereichen der öffentlichen Hand bezeichnete Helene Wildfeuer als unverantwortlich. „Im Bereich Erziehung und Unterricht werden lediglich 18 Prozent, in der Öffentlichen Verwaltung 28 Prozent der zeitlich begrenzten Beschäftigungsverhältnisse entfristet. Berufliche Planungssicherheit sieht anders aus“, mahnte die Vorsitzende an. Eine Prüfung der Vergabe von Projekt- und Haushaltsmitteln nach Gesichtspunkten der geschlechtergerechten Budgetierung sei in diesen Bereichen von höchster Notwendigkeit. „Es gilt zu klären, warum ausgerechnet in jenen Bereichen, in denen vorwiegend Frauen arbeiten, häufiger nur befristet Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden. Aber auch der Frage muss nachgegangen werden, inwieweit der hohe Anteil an befristeten Stellen etwa im Bereich Erziehung und Unterricht mit dort festgestellten geschlechterbedingten Verdienstunterschieden von bis zu über 20 Prozent zusammenhängt.“

In Deutschland stieg der Anteil der zunächst befristet angestellten Arbeitnehmer, die anschließend in eine unbefristete Beschäftigung übernommen wurden, laut IAB seit 2009 von 30 Prozent auf 39 Prozent im Jahr 2012. Der Anteil der Verlängerungen befristeter Verträge betrug in beiden Jahren 33 Prozent. IAB-Angaben zufolge waren 2012 rund 2,7 Millionen befristet beschäftigt, gut doppelt so viele Arbeitnehmerinnen und -nehmer wie noch im Jahr 1996 (1,3 Millionen). Von 2011 auf 2012 sei der Anteil der befristet Beschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 9,5 Prozent aber konstant geblieben. Auch vermeldete das Nürnberger Forschungsinstitut einen leichten Rückgang der befristeten Einstellungen: Im Krisenjahr 2009 betrug der Anteil befristeter Beschäftigungsverhältnisse noch 47 Prozent, danach sank er kontinuierlich auf 44 Prozent im Jahr 2012.